Mittwoch, 08. September 2010
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Ideen und Forderungen für die Hochschulwahlen 2010

Die LAF/Juso-Hochschulgruppe setzt sich als stärkste Gruppe im studentischen Konvent dafür ein, die Basis für ein Hochschulleben zu schaffen, das auf Gleichberechtigung und Chancengleichheit beruht.

Bologna – Reform: Studium „studierbar“ machen:

Die Bologna-Reform war ein politischer Schnellschuss – seine Umsetzung in Deutschland mit der Schulnote 6 zu bewerten. Die berechtigten Proteste vieler Studierenden konnten wir bereits für einige Verbesserungen – z.B. im Bereich der Anwesenheitspflicht nutzen. Wir machen uns aber auch für überarbeitete Prüfungsordnungen stark: die Lockerung der Prüfungsdichte, mehr Wiederholungsversuche und ein verbessertes Benotungssystem sind hier unsere Ziele. Zudem setzen wir uns eine Ausweitung der Regelstudienzeit, bessere Anerkennung von Studienleistungen – sowohl im nationalen, als auch im internationalen Raum, sowie gesicherte Zugangsmöglichkeiten zum Masterstudium ein. Unser Senator und unser Konventsvorsitzender sind zu diesem Thema in konstruktivem Austausch mit der Hochschulleitung und wir sind zuversichtlich, dass die anstehende Mustersatzung viele der aktuellen Probleme beheben oder zumindest erleichtern wird.

Für ein bezahlbares Studium:

Für viele Studierwillige ist die Aufnahme eines Studiums in zunehmenden Maße von finanziellen Aspekten geprägt. Neben den sozial unverträglichen Studiengebühren von 500 Euro pro Semester spielen auch die steigenden Lebenshaltungs- und Mietkosten – gerade auch hier in Regensburg – eine entscheidende Rolle. Auch die Erhöhung des Bafög – die im Moment sogar wieder von den Unionsministerpräsidenten in Frage gestellt wurde - greift viel zu kurz, da sie nur einen kleinen Ausgleich für die gestiegenen Lebenshaltungskosten darstellt und die Studiengebühren nicht berücksichtigt. Daher stehen wir für eine elternunabhängige, flexible und bedarfsgerechte Studienfinanzierung und lehnen die Schuldenfalle, in die Studierende schon vor dem Berufseintritt gedrängt werden, ab.

Für ein starkes Studentenwerk:

Das Studentenwerk ist das soziale und kulturelle Rückgrat der Universität und der wichtigste Dienstleister für die Studierendenschaft, weil sie die StudentInnen in ihrem Alltag betreffen. Zu seinen Aufgaben zählen u.a. die Verpflegung, die Wohnheime, das Bafög, die Kinderbetreuung, Beratungsstellen und die Kulturförderung mit dem erfolgreichen Unitheater. Dennoch senkt der Staat seit Jahren die Zuschüsse drastisch und erwartet zugleich ein ausgebautes Angebot. Seit 1996 gingen die Gelder vom Freistaat von ca.4,5 Millionen € auf ein paar Hunderttausend zurück. Dies hat in der Vergangenheit zu einer Preiserhöhung in den Mensen und Cafeterien sowie einer Erhöhung des Studentenwerkbeitrags geführt. All dies geht zu Lasten der finanziell schwächeren Studierenden. Ärmere Studenten können sich z.B. schon jetzt einen Besuch in der neuen Mensa kaum mehr leisten. Deswegen setzen wir uns auch in Gesprächen mit Landtag und Ministerium für eine deutliche Erhöhung der staatlichen Fördermittel, insbesondere des Mensazuschusses ein, um mittelfristig wieder eine spürbare Senkung der Preise zu erreichen – damit jeder Student vernünftig essen, wohnen und leben kann.

Gegen Studiengebühren:

Da Studiengebühren gerade Menschen aus benachteiligten Schichten vom Studium abhalten und so zu einer weiteren Spaltung unserer Gesellschaft beitragen, lehnen wir diese entschieden ab und setzen alles daran deren Abschaffung zu erwirken. Abschaffung und Senkung finden jedoch auf zwei verschiedenen Ebenen statt. Deswegen verlangen wir – um die Bildungshürde Studiengebühren zu verkleinern – auf Universitätsebene eine Reduzierung der Studiengebühren auf das gesetzliche Minimum von 300 €.

Transparenz bei Verwaltung und Verteilung der Studiengebühren:

Wenn Studierende schon Gebühren entrichten müssen, sollte es selbstverständlich sein, dass sie einen vollständigen Einblick in den Verteilungsprozess erhalten. Diese Kommunikation durch die Universität war in der Vergangenheit mehr als mangelhaft. Deswegen haben wir eine neue Studienbeitragssatzung erarbeitet, die für mehr Transparenz und tatsächlich paritätische Mitbestimmung sorgen soll. Wird diese – wie erwartet - vom Senat verabschiedet, haben wir die modernste und fairste Studienbeitragssatzung in ganz Bayern umsetzen können. Zudem setzen wir uns dafür ein, dass in jeder Fakultät ganz genau nachvollziehbar dargestellt wird, wie unsere Gebühren verwendet werden.

Bessere Bezahlung der SHKs:

Ohne studentische Hilfskräfte wäre der Lehrbetrieb an der Universität kaum mehr durchführbar – sei es, dass sie den Betrieb der Bibliotheken aufrechterhalten, Professoren in der Durchführung ihrer Vorlesungen unterstützen oder selbst Tutorien halten. Bislang bekam ein SHK für diese wichtige Arbeit an der Uni Regensburg jedoch nur 6 € pro Stunde – ein Lohn weit unter dem deutschen Durschnitt. Dank dem Einsatz der LAF/Juso-Hochschulgruppe konnte die Hochschulleitung dazu bewegt werden, die SHK-Löhne zumindest an das bayernweite Niveau anzupassen! Normale SHKs bekommen künftig 7 € pro Stunde, SHKs mit Bachelorabschluss sogar 9 €. Bundesweit liegt der Durchschnittslohn für SHKs bei 9€. Deswegen werden wir uns nach diesem Etappensieg nicht ausruhen, sondern weiterhin für einen gerechten Mindestlohn von 8,50€ pro Stunde und bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.

Verbesserung des Lehramtsstudiums:

Etwa 6.000 Studenten sind ins Lehramtsstudium eingeschrieben. Unseren angehenden Lehrern muss ein anständiges Studium ermöglicht werden, dessen Schwerpunkte vor allem auf der pädagogischen und didaktischen Ausbildung sowie einer breitgefächerten, praxisnahen Wissensvermittlung liegen müssen. Die Umsetzung der LPO muss verbessert, die Organisation der Praktikumsvergabe effizienter gestaltet werden. Die Einführung der derzeit kontrovers diskutierten Bildungswissenschaftlichen Fakultät zur zusätzlichen Aufwertung des Lehramtsstudiums begrüßen wir im Grundsatz, warnen aber vor einem Bruch bestehender Netzwerke und der Benachteiligung der Studiengänge Erziehungswissenschaften und Psychologie. Mit der Gründung der Fachschaftsinitiative Lehramt wurde der Weg für eine kraftvolle Studierendenvertretung bereitet. Diese Initiative muss von der Hochschulleitung nun endlich anerkannt werden. Das Regensburger Universitätszentrum für Lehrerausbildung (RUL) bündelt die Interessen  sowohl der Fächer als auch der Didaktiken, muss aber in unseren Augen sowohl personell als auch finanziell besser ausgestattet werden, um einen vernünftigen Service anbieten und wirkungsvoll arbeiten zu können – zudem sind die studentischen Interessen mit bisher einem studentischen Vertreter im Beirat nicht ausreichend berücksichtigt. Um eine Verbesserung der Situation wollen wir uns kümmern.

Stärkung studentischen Engagements – gegen eine fortschreitende Kommerzialisierung:

Studentische Aktivitäten bereichern das Leben auf dem Campus. Die ehrenamtliche und facettenreiche Arbeit der gesellschaftlichen Hochschul- und Theatergruppen muss auch in Zukunft gefördert werden. Ohne Räumlichkeiten müssen studentische Initiativen um ihre Existenz fürchten, ohne die Möglichkeit zur Eigenwerbung und von Informationsveranstaltungen werden sie ihre Arbeit nicht fortsetzen können. Die allmählich ausufernde Werbung externer Firmen muss eingedämmt und besser kontrolliert werden.

Stärkung der Studierendenvertretung und Einführung der Experimentierklausel:

Der studentische Konvent, die  Senatoren, der Sprecherrat und die Fachschaften – hier werden die studentischen Interessen gebündelt und nach außen artikuliert. Ein vertrauensvoller und intensiver Dialog mit der Hochschulleitung ist dabei unerlässlich. Hier konnten wir erreichen, dass ein monatliches Treffen Vertreter aller studentischer Gremien mit der Hochschulleitung statt findet und der Konventsvorsitzende zu den Punkten, die studentische Anliegen betreffen an den wöchentlichen Rektoratssitzungen beratend teilnimmt. Wir kämpfen jedoch auch für eine bessere Repräsentation der Studierenden in den Gremien der Universität und stärkere Finanzautonomie für eine wirklich unabhängige und handlungsfähige Studierendenvertretung.

Gegen unsolidarische Stipendiensysteme:

Die schwarz-gelbe Koalition möchte ein breites Stipendiensystem aufbauen um die Finanzierung der Studenten verbessern. Untersuchungen zeigen jedoch, dass etwa 80% der aktuell vergebenen Stipendien Studenten aus gehobenem und hohem Elternhaus zugute kommen. Anstatt mit dem Bafög auf erfolgreiche Breitenförderung zu setzen, macht man sich hier fälschlicherweise für eine weitere soziale Selektion stark. In Regensburg, einem wirtschaftlich starken Standort – konnte zudem gerade einmal ein Fünftel des erforderlichen Geldes aus der Privatwirtschaft eingeworben werden. Sowohl aus sozialen als auch aus pragmatischen Gründen lehnen wir daher das undurchdachte Stipendiensystem der Merkelkoalition ab. Wir wollen, dass alle Studenten bestmöglich gefördert werden und nicht nur einige wenige einfach mehr Geld erhalten! Deswegen setzen wir auf ein starkes Bafög!

Leuchtturm oder Lichterkette – Gegen die Exzellenzinitiative:

Statt alle Universitäten gleich zu fördern, wird vom Staat im Rahmen der Exzellenzinitiative viel Geld an einzelne Universitäten verteilt. Geld, das den anderen Universitäten für gute Lehre fehlt. Davon ist auch die Universität Regensburg stark betroffen. Wir sind aber davon überzeugt, dass Regensburger Studierende nicht über geringere Potenziale verfügen, als Münchner Studenten. Deutschlandweit brauchen wir eine Hochschulpolitik, die möglichst viele gut ausgebildete Absolventen hervorbringt und nicht nur nach Gutdünken einzelne Universitäten fördert.

Barrierefreier Zugang zur Universität:

Behinderte Mitmenschen sehen sich immer wieder unnötigen Barrieren gegenüber. Diese gilt es sowohl im Bereich der Mobilität als auch in Prüfungsangelegenheiten abzubauen. Daher unterstützen wir den Behindertenbeauftragten der Universität und das staatliche Universitätsbauamt bei der Planung und Sanierung von Gebäuden.

Bekämpfung rechten Gedankenguts:

Wir stehen als LAF/Jusohochschulgruppe seit jeher für Toleranz gegenüber Fremdem und Weltoffenheit. Daher setzen sich unsere Mitglieder selbstverständlich gegen Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus ein.

Umweltfreundliche Kosteneinsparungen:

Anstatt die Uni über die Weihnachtsferien zu schließen, sollte eher über sinnvolle Maßnahmen zur Kostenreduktion nachgedacht werden: moderatere Beheizung der Lesesäle, bessere Dämmung von Fenstern, kostengünstige Energiegewinnung durch den Einsatz von Photovoltaik-Anlagen, weniger Wasserverschwendung bei der Toilettennutzung. Selbst kleine Maßnahmen können große Wirkung haben!

Busanbindung und Verkehrssicherheit:

Die Busanbindung zur Universität hat sich in den letzten Semestern auf unseren Druck hin deutlich verbessert. Der Ausbau der Taktung nach 18 Uhr, an Wochenenden und in den Semesterferien wird jedoch ein wichtiges Ziel für das kommende Jahr sein. Zudem werden wir uns für eine bessere Anbindung der Studentenwohnheime in Königswiesen einsetzen. Die unübersichtliche Verkehrslage im Bereich des Sammelgebäudes muss entschärft werden. Wir plädieren weiterhin für ein Tempolimit und einen Kreisel, um das Unfallrisiko zu senken.